Heute gebe ich wieder einmal einen kleinen Einblick in die Welt des Yoga. Vielleicht hast du schon einmal von dem 8-gliedrigen Pfad von Patanjali gehört. Es sind die 8 Schritte im Yoga, die zu sich führen (oder zur Erleuchtung ;))

Was ist Ahimsa?

Ahimsa ist ein Teil des ersten Gliedes von Patanjalis 8-gliedrigem Pfad (der „Yama“ heißt). Es bedeutet übersetzt „Gewaltlosigkeit“ oder „Nicht-schaden“. Viele Yogis legen das so aus, dass sie auf Fleisch, oder gänzlich auf tierische Produkte, verzichten. Mahatma Ghandi etwa aß keine Eier, die befruchtet waren, unbeleuchtete aber aß er, da es ihm von seinem Arzt empfohlen wurde.

So wunderbar und nobel es auch ist, vegan zu leben, nicht jeder von uns hat den Willen und die Veranlagung dies zu machen. Ich habe in einem Artikel über Krisnamacharya gelesen, einen der bedeutensten Gurus des letzten Jahrhunderts. Darin erzählte er von einem jungen Franzosen, der Ahimsa mit veganer Ernährung auslegte und dabei furchtbar litt, sogar von einem Arzt aufgefordert wurde, wieder Fleisch zu essen. Krisnamacharya fragte ihn deswegen, wieso er sich so quäle und der junge Mann erklärte, dass er Ahimsa so verstanden hätte, dass er keine tierischen Produkte essen darf. Krisnamacharya lächelte und sagte zu ihm, dass er Ahimsa gegenüber anderen Lebewesen walten ließ, aber sich gegenüber alles andere als gewaltlos war. Denn zu allererst sollte man Ahimsa gegenüber sich selbst leben.

Ahimsa – sich selbst gut behandeln

Wir alle sind uns selbst gegenüber oft viel zu streng. Wenn man sich einmal einen Tag lang zuhört, was man über sich selbst denkt, geht einem vielleicht ein Licht auf. Denn die meisten von uns reden über sich selbst nicht besonders gut. Würde man so über einen Freund sprechen, hätte man wohl keine Freunde mehr.

Aber ist es auch ein Wunder? Wenn die Gesellschaft uns weis machen will, nur mit dem perfekten Körper, wie er auf Titel Cover zu sehen ist, sind wir annehmbar? Nur wenn wir die BIlderbuchkarriere von XYZ hinlegen, ein großes Haus, ein schnelles Auto, perfekte Kinder usw. haben, sind wir akzeptabel?

Ahimsa beginnt zu aller erst einmal im Kopf. Indem man einmal innehält und sich fragt, warum man jetzt gerade denkt, dass man nicht gut so ist, wie man ist. Nur weil man nicht sechs Wochen nach der Geburt wieder in seine alten Jeans passt? Oder weil man nicht Kleidergröße 34 hat? Oder weil man nicht Top Manager des Jahres ist? Braucht man das denn? Hör dir einmal gut zu und dann frag dich, warum du von dir denkst, was du denkst.

Ahimsa beim Essen – es muss nicht vegan sein

Natürlich ist Ahimsa auch beim Essen wichtig. Wie weiter oben schon gesagt, legen viele Yogis Ahimsa so aus, dass man keine tierischen Produkte zu sich nimmt. Denn Ahimsa gilt nicht nur sich selbst, sondern natürlich auch der Umwelt. Und ja, auch ich finde es nicht schön, wie es in der Lebensmittelindustrie zugeht. Massentierhaltung, Medikamente, Pestizide… die Liste ist lange. Aber es betrifft ja auch nicht ausschließlich die tierischen Produkte. Für viele Produkte werden Mensch und Natur ausgebeutet. Aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Denn ich will hier sagen, dass Ahimsa beim Essen nicht zwangsweise heißt, dass man vegan leben soll. Es heißt, dass man auf seinen Körper achtet, sich selbst etwas Gutes tut.
Es heißt nicht, sich durch Diäten quälen oder Verbote auferlegen. Unsere Körper mögen es, in Balance zu sein. Es geht ihnen nicht darum, was man essen „darf“ und was man „nicht essen darf“.

Unser Körper ist einzigartig, und genau so einzigartig sind seine Bedürfnisse. Darum halte ich persönlich wenig von Crash Diäten, so vielversprechend sie auch sind.
Es gibt Tage, da braucht mein Körper mal etwas Süßes (diese Tage haben wir doch alle, oder?), und obwohl ich weiß, dass es nicht unbedingt gesund ist.

Ahimsa – das eigene Körperbild

In unserer heutigen Gesellschaft sind die Schönheitsideale einfach absurd. Schon kleine Mädchen bekommen oft vermittelt, dass sie abnehmen müssen, um schön zu sein.
Das regt mich jedes Mal unsagbar auf. Das Selbstwertgefühl ist dann untergraben und sie entwickeln eine völlig falsche Einstellung zu ihrem Körper.
Ich selbst habe als Teenie wirklich Probleme mit meinem Körper gehabt. Ich war sehr schlank aber hatte große Brüste. Ja, ich habe mich geschämt. Ich war so anders, als die anderen Mädchen.

Ganz bei sich sein und annehmen

Erst beim Yoga habe ich dann gemerkt: es ist vollkommen in Ordnung, wie ich aussehe. Genau so, wie ich jetzt bin, ist es perfekt.
Das möchte ich den Kindern beim Yoga vermitteln. Im Kinderyoga ist es nicht wichtig, ob die Position aussieht wie im Lehrbuch. Sie darf Spaß machen und darf das Körperempfinden stärken.
Beim Teenager Yoga möchte ich den Mädchen vermitteln, dass sie sich akzeptieren dürfen, so wie sie sind. Denn genau so sind sie perfekt.

Das vergessen wir in unserer Gesellschaft leider viel zu oft. Ahimsa beginnt im Kopf. Wir lernen im Yoga das loszulassen, was uns nicht mehr dienlich ist. Diese überzogenen Vorstellungen von unserem Körper zum Beispiel.

Wie fühlst du dich in deinem Körper? Bist du immer gut zu dir?

Lass es mich doch wissen!

Saprema,
Bettina