Still war es jetzt hier. Das lag zum einen daran, dass ich das neue Semester, welches morgen, den 3. März beginnt, vorbereiten musste. Zum anderen lag es an meinem Urlaub und dem damit verbundenen Halbmarathon. Ja, ich fahre auf Urlaub, um einen Halbmarathon zu laufen. Dazu fällt mir nur folgender Spruch ein, den ich kurz danach gelesen habe:

Any idiot can run. But it takes a special kind of idiot to run a half marathon.

Nach der Startnummerabholung

Nach der Startnummerabholung

 

Die Tage vor dem Lauf

Ich muss ja zugeben: ich war davor sehr nervös. Vor dem Abflug nach Orlando war ich am Überlegen, ob ich überhaupt an den Start gehen soll. Ich hatte mich durch Erkältungen usw. nicht so vorbereiten können, wie ich wollte. Außerdem hatte ich nichts anzuziehen. Lacht nicht, das ist kein normales „Frauenproblem“ – bei diesem Lauf kommen die meisten Läufer kostümiert. Mein Kostüm hing im Zoll fest. 10 Tage lange. Und kam dann 2 Tage nach dem Abflug an. Hätte aber so oder so nicht wirklich gepasst. Aber dazu später mehr.

Jedenfalls war ich recht skeptisch, ob ich es schaffen würde. Dann ging die Grübelfabrik an. Die geht immer an, wenn ich sie am wenigsten brauchen kann. Wem geht das nicht so? 😉 Ist mein Körper überhaupt in der Lage so eine Strecke zu schaffen? Was, wenn ich fast nur gehe? Wenn ich nach der Hälfte gar nicht mehr kann? Das und noch vieles mehr ging mir durch den Kopf.

Abflug war am Donnerstag, der Lauf am Sonntag. Ich hatte also 2,5 Tage zum eingewöhnen (Zeitumstellung von 6 Stunden zurück, aber das war sogar zu meinem Vorteil) und alles abzuholen (Startnummer, vielleicht doch ein Kostüm finden…). Natürlich wollte ich auch mit den Kindern Disney World erkunden. Dadurch hatte ich wenig Zeit groß nachzudenken. Bis zum Abend vor dem Rennen. Da kamen dann wieder Zweifel.

Der Tag des Laufes

Immerhin musste ich am Sonntag um 2:30 morgens (!!!) aufstehen, darum war der Abend recht kurz. Trotz den Zweifeln am Abend war der Schlaf recht ruhig und ich schon um 2 Uhr wach. Das Rennen startet um 5:30, man muss spätestens um 4:30 am Startort sein, denn es dauert ewig (und es dauert wirklich ewig) bis man zum eigentlichen Start hingegangen ist. Der Transport war von RunDisney geregelt, allerdings waren rund 30.000 Läufer am Start, weswegen es zu einigen Reibereien kam (der Bus, der mich und die anderen Läufer aus dem Hotel abholen sollte, war bereits voll, als er ankam).

Tja, jetzt kommt dann noch das Wetter ins Spiel: man könnte denken: Orlando, Florida, super warmes Wetter, sicher sehr angenehm um die Zeit zu laufen. Darf ich ehrlich sein? Es war extrem kalt in der Früh. Ich hatte eine Weste an, die ich nach dem Start wegwerfen wollte und mein Laufoutfit. Mir war wirklich, wirklich kalt! Es hatte knapp über 10 Grad, und wir sind dann von 4 bis zum Start (mein Block wurde gegen 6:20 losgeschickt) in der Kälte gesessen. Die Stimmung war aber wirklich gut, trotz der Kälte und der langen Wartezeit. Man konnte gut die Kostüme der anderen Läufer bewundern, und manche haben sich wirklich sehr viel Mühe gemacht.

Hier ist übrigens mein Outfit, das ich noch schnell zusammengestellt habe (also Rock und Krone konnte ich finden):

Mein Laufoutfit - Sei eine Prinzessin

Mein Laufoutfit – Sei eine Prinzessin

Ihr könnt Euch manche Kostüme nicht vorstellen. Es gab Läuferinnen, die mit einem leuchtenden Rock (mit 20 kleinen Lämpchen) gelaufen sind. Kostüme mit Capes, mit Flügeln. Es gab Männer, die als Prinzessin verkleidet liefen. Schade, dass ich davon kein Foto habe, die Herren waren wirklich unglaublich. Ich glaube, sie nannten sich #princessMen (findet man auf Istagram und Twitter). Ich bin ja irgendwie immer noch ein großes Kind. All der Glitzer, die Krönchen, usw. Das lässt mein inneres Kind richtig nostalgisch und glücklich werden. Vielleicht hat mich dieser Lauf deswegen so gereizt, wo kann man schon als Prinzessin laufen? Und anschließen behaupten „I do not sweat, I sparkle“ 😉

Ab 5:20 wurde dann richtig Stimmung gemacht. Als „Hall of fame“ von the Script gespielt wurde, waren alle auf den Beinen. Jeder Startblock wurde mit einem Feuerwerk losgeschickt. Dazwischen wurden Motivationslieder angestimmt. Bei „Living on Prayer“ haben alle mitgesungen wie aus einer Kehle. Es war wirklich unglaublich motivierend. Habe ich mich um 5 Uhr noch gefragt, warum ich mir DAS wirklich antue, war mir ab 5:30 klar, ich werde das sowas von durchziehen!!!

 

Es geht endlich los!

Endlich war mein Startblock dran. Das Feuerwerk wurde gezündet und wir liefen los. Gleich nach dem Start war eine High School Musik Kapelle, die mächtig Stimmung machte. Hunderte freiwillige Helfer klatschten und feuerten die Läufer an. Noch ehe ich wirklich nachdenken konnte, was los war, kam auch schon der erste Marker für die erste Meile (immerhin 1,6km):

Meile 1

Meile 1

Man sieht, es war noch ziemlich dunkel.

Die Strecke führt von Epcot, dem Park mit der großen Kugel, hinüber zu zum Magic Kingdom und wieder zurück. Wir liefen anfangs also über ein abgesperrtes Stück Highway und durch die Einfahrt zum Parkplatz hindurch. Dabei wurden wir freundlich darauf hingewiesen, dass es hier „bumps“ gibt, also so Schwellen um die Autos langsamer fahren zu lassen. Immerhin, es war noch immer dunkel! Als ich bei Meile 2 ankam, lief mir der erste Läufer entgegen, der am fertig werden war. Der hat echt ein ordentliches Tempo vorgegeben. Unterwegs waren DJs am Werk um Stimmung zu machen, japanische Trommler, Bands usw.

Magic Kingdom erreichten wir knapp nach Meile 5.

Magic Kingdom, die Sonne geht gerade auf

Magic Kingdom, die Sonne geht gerade auf

Dort ging es erst richtig rund mit der Stimmung. Es wurde geklatscht, Schilder mit Motivationen hochgehalten, Musik gespielt. Es gab (wie an manch anderen Stellen auch) Disney Charaktere mit denen man sich fotografieren lassen konnte. Der Ausblick war genial. Ich lief durch den Park und durch das Schloss durch, wo Anna und Elsa waren und den Läufern zuwinkten. Es kam mir nicht so vor, als wäre ich gerade 6 Meilen gelaufen, ich musste kaum gehen bis dorthin und wenn, dann hauptsächlich weil es eng wurde und es für mich keinen Sinn machte, im Schritttempo zu laufen.

Aber als die Sonne aufgegangen war, wurde es doch anstrengend. Hatte es bis dahin um die 13 Grad gehabt, stieg die Temperatur jetzt und die Sonne kam frontal und unbarmherzig. Ab Meile 8 war es dann recht anstrengend. Dort gab es auch meinen ersten „Snack“. Ein seltsames Gel, das unglaublich klebrig, künstlich, süß war. Aber offenbar wirklich pushte, denn plötzlich kamen meine Kräfte wieder.

Meile 11, die Sonne konnte es schon ordentlich

Meile 11, die Sonne konnte es schon ordentlich

Nach Meile 12 waren wir wieder in Epcot. Es war fast geschafft. Die Helfer feuerten uns an, machten Fotos, winkten. Der Ausblick war mindestens genau so berauschend wie in Magic Kingdom. Man blickte über den riesigen See zum World Showcase, lief eine kurze Runde und kam dann wieder zu der beeindruckenden Kugel, die Epcot auszeichnet.

Epcot

Epcot

Meile 13. Der letzte Marker. Es stehen zig Leute herum, sie feuern nochmal an, das Ziel ist so nahe. Ich spüre, wie mich Emotionen überkommen. Stolz, dass mein Körper das wirklich geschafft hat, dass ich es geschafft habe und kaum gehen musste. Glücklich (ich meine, die ganzen Glückshormone vom Sport… da muss man glücklich sein!). Erleichtert, denn es war nicht so schlimm wie befürchtet, im Gegenteil, es war einfach großartig. Traurig, dass es vorbei war. Und dann war sie da, die Ziellinie. Beim Einlauf wurden wir beim Namen gerufen, nochmal kräftig angefeuert.

Alles danach ist irgendwie nur mehr bruchstückhaft da. Irgendjemand drückte mir eine Medaille in die Hand (die etwa 1kg wiegt), ich bekam eine Plastikfolie für meinen Autositz, ein Sackerl mit Gatorade und Wasser, eine Box mit Banane und anderen Leckereien, wurde fotografiert und beglückwünscht. Ich ging hinaus um meine Familie zu suchen, und da merkte ich erst, wie sehr mir meine Beine weh taten. Wie erschöpft ich eigentlich war. Aber wie glücklich und zufrieden!!! Ich hatte meinen ersten Halbmarathon geschafft. Ohne viel zu gehen. Mit einer recht passablen Zeit.

Urkunde

Urkunde

 

Mein Fazit

Ich bin einfach nur unheimlich zufrieden und glücklich. Es war ein fantastisches Erlebnis, ein grandioser erster Halbmarathon, der mir Mut für mehr macht. Ich habe mir fest vorgenommen, in den nächsten Jahren noch das ein oder andere Disney Rennen mitzumachen. Die Stimmung, die Leute, die Kostüme. Das ist alles genau meines. Vielleicht versuche ich es 2017 ja in Paris. Und 2018 dann in Kalifornien. Bis dahin habe ich noch etwas Zeit an meinem Kostüm zu arbeiten 😉 Ich dachte an etwas mit Flügeln. Was meint Ihr? 😉

Und an meiner Erholung nach dem Rennen. Ehrlich, die ersten drei Tage waren der Horror! Stiegen steigen, aufstehen… alles schmerzhaft. Da gibt es definitiv Verbesserungspotential. 😉

Seid Ihr schon mal einen Halbmarathon oder ein Rennen gelaufen? Was habt Ihr für Tips?

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Tag!

Namaste