Heute möchte ich einmal meine Erfahrung teilen was das Laufen betrifft. Laufen ist ja seit vielen Jahren Volkssport #1: viele Laufen um fit zu bleiben, andere weil es beim Abnehmen hilft, wieder andere laufen um den Kopf frei zu bekommen, und so weiter.

Das Laufen und ich

Ich habe das früher nie verstanden. Ich fand laufen immer irgendwie doof. Ich habe immer viel Sport gemacht, aber Laufen gehörte nie zu meinen Favoriten. In der Schule mussten wir es immer wieder machen. Aber nach der Schule hatte ich eher selten das Bedürfnis, mir Laufschuhe anzuziehen. Ich mochte Ballsport und Inlineskaten, Schwimmen und Radfahren. Während des Studiums begann dann meine Liebe zu Yoga und das Bedürfnis zu laufen war dann noch geringer.

Mit etwa Mitte zwanzig habe ich dann zum ersten Mal wieder versucht zu laufen. Es war eine Katastrophe. Nach etwa 1km war ich außer Atem, mir tat alles weh und ich wollte einfach nicht mehr. Damit war das Thema wieder für längere Zeit abgehackt. Ich wurde Mama und fand kaum noch Zeit für Sport irgendeiner Art. Was sich nach meinem zweiten Kind ziemlich im Gewicht widerspiegelte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich entschieden, die Yoga- und Kinderyoga Ausbildung zu machen. Und wie das Schicksal es so will, fand ich einen Trainingsplan (oder er fand mich?!) wie man von 0 auf 5km Distanz in 6 Wochen kommt. Aus irgendeinem seltsamen Grund wollte ich auf einmal laufen. Ja, ich fühlte mich auf einmal bereit, dieses Projekt in Angriff zu nehmen. Mein Großer war da schon vormittags im Kindergarten und meine Kleine schlief sehr schlecht, außer wenn sie getragen wurde oder: im Kinderwagen. Das war für mich wirklich das Zeichen, es ist soweit. So bin ich mit meiner Maus im Wagen losgelaufen. Oder gegangen. Denn anfangs schlug der Plan lange Schnellgehintervalle und kurze gejoggte Strecken vor. Es war anstrengend (besonders durch das Kinderwagen schieben), aber ich konnte es durchhalten.

Dreimal die Woche bin ich mindestens laufen gegangen, jedes Mal ging es mir besser. Ich wollte es also wissen und meldete mich für ein 5km Rennen an. Es war an dem Tag heiß, ich musste immer wieder gehen und war nicht besonders schnell. Außerdem hatte ich nach dem Rennen eine Brustentzündung (ich stillte damals noch) und Fieber. Motivation: gleich null. Warum waren andere so viel besser als ich? Warum war mein Körper nach dem Rennen so kränklich? Wozu habe ich überhaupt damit angefangen?

Ich schraubte das Laufen also wieder zurück. Ich hatte damals zwar schon von dem Halbmarathon in Disney World gelesen, aber ich konnte mir nicht vorstellen, jemals daran teilzunehmen. Dazu musste man ja laufen, und das lag mir offenbar nicht. Warum sonst war ich so langsam? Warum sonst musste ich mich immer wieder überwinden laufen zu gehen? Sollte das nicht Spaß machen?

Zwei Welten treffen sich

Ich konzentrierte mich also wieder mehr auf Yoga. Yoga und Laufen sind ja vollkommen unterschiedliche Dinge, oder? Im besten Fall ergänzt das eine das andere bzw. gleicht es aus. Richtig? Nun… nicht ganz… So unterschiedlich sind diese beiden Dinge gar nicht.

Beim Yoga (jetzt rein von der körperlichen Seite gesprochen) geht es nicht darum eine Asana perfekt zu beherrschen. Es geht nicht darum sich in alle möglichen Verrenkungen hinein zu drücken und danach zu sagen: ja, ich habe es geschafft, aber jetzt tut mir alles weh. Es geht darum, sich etwas Gutes zu tun. Eine Asana so auszuführen, wie sie einen fordert – aber nicht überfordert. Es geht um den Weg hinein und wieder hinaus.

Beim Laufen ist das eigentlich nicht viel anders. Es geht nicht darum der schnellste zu sein (außer man ist Profi Läufer und verdient sein Geld mit Siegen). Es geht nicht darum am weitesten zu Laufen. Es geht darum sich etwas Gutes zu tun. Wenn ich mir selbst keinen Druck mache, dann laufe ich befreit. Dann bin da nur ich, meine Schritte auf der Straße (oder den Wegen die Weinberge hinauf), mein Atem und der Wind. Dann entschleunigt sich die Welt wie von selbst und ich könnte ewig weiterlaufen. Der Kopf wird so frei. Laufen ist für mich eine Art Meditation geworden.

Konzentriere Dich auf den Atem. Ein Fuß vor den anderen. Nimm Deine Umgebung wahr. Akzeptiere alles, so wie es ist jetzt ist. Genau so ist es gut.

Aber diese Erkenntnis kam nicht über Nacht. Denn auch im Yoga war ich ehrgeizig. Warum kann die Person neben mir diese Asana besser als ich, wo sie doch garantiert weniger Erfahrung hat? Warum kann ich immer noch keinen Kopfstand? Oder Spagat? Und andere können das. Wie unfair.

Diese Einsicht kam erst Stück für Stück. Nachdem ich beidem, dem Yoga und dem Laufen, eine faire Chance gegeben habe. Wisst Ihr, wann die Erkenntnis, dass es gut so ist, wie es ist, wirklich kam? Nun… sie kam als ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen bin. Also vor etwa 3 Wochen. Ja, es hat lange gedauert. Ihr habt ja gelesen, wie es vor dem Lauf für mich war. Wie ich gezweifelt habe. Aufgeben wollte. Ängstlich war.

Ein Großteil dessen, wofür wir uns fürchten, tritt niemals ein.

Diese Erfahrung hat mich stärker gemacht, als ich jemals dachte. Darum möchte ich sie mit Euch teilen. Und verknüpfe das mit ein paar bekannten Liedern aus Disney Filmen (mein inneres Kind kommt gerade etwas durch 😉 )

Let it go (Die Eiskönigin): Lass Deine eigenen Erwartungen los. Eine Bekannte von mir läuft 10km in 40 Minuten. Also 1km in 4 Minuten. Für mich nicht machbar. Daran habe ich lange geknabbert. Wieso kann sie so viel schneller laufen als ich? Warum komme ich nicht unter einen Kilometer in unter 6 Minuten? Und wenn, wieso schaffe ich es dann nicht 5km so zu laufen? Dazu kann ich nur sagen: lass diese Erwartung los. Meine Bekannte läuft also 10km in 40 Minuten. Juhu, schön für sie, thumbs up und Gratulation! Ich laufe 5km in 35 Minuten. Who cares? Doch wohl nur ich selbst. Hauptsache, ich fühle mich danach gut. Ist es wirklich wichtig, dass ich ab und zu gehen muss? Nein. Es ist meine eigene Erwartungshaltung an mich selbst, die mich unter Druck setzt und mir unnötig den Spaß an der Sache raubt. Sowohl im Yoga als auch beim Laufen.

Go to Distance (Herkules): Du kannst mehr als Du denkst. Wenn Du nie versuchst Dich zu steigern, woher weißt Du dann, ob Du es schaffen könntest? Setz Dur ein Ziel und versuch dieses Ziel für Dich zu erreichen. Es wird immer Leute geben, die skeptisch sind, die Dir sagen, dass das was Du tun willst Blödsinn ist oder der Zeitpunkt unpassend. Hör nur auf Deine Intuition. Beim Laufen wie beim Yoga weiß Dein Körper meistens ganz genau, was für ihn gut ist. Vertrau auf diese Intuition auch in Deinem Leben. Teil Dir Deine Kräfte ein um ins Ziel zu kommen, es bringt nichts, wenn Du einen Schnellstart hinlegst und nicht mal den halben Weg schaffen kannst.

Reflection (Mulan): Sieh in den Spiegel und schau Dich an. Nicht die anderen. Du weißt nicht ob Du Deinen Anfang mit einer Erfahrung von mehreren Jahren beim anderen vergleichst. Selbst wenn Ihr gemeinsam angefangen habt, heißt das nicht, dass Ihr gleich weit sein müsst. So wie Du es machst ist es richtig. Nur weil meine Bekannte die 10km in 40 Minuten schafft ist das noch nicht besser als meine Leistung. Am Ende des Tages zählt nur, was ich im Spiegel sehe und ob ich damit zufrieden bin.

Be prepared (König der Löwen): Sei für alles bereit. Nein, damit meine ich nicht unbedingt, was Du auf einen Lauf oder zum Yoga mitnehmen sollst. Sondern sei bereit, dass diese Erfahrungen Dich ändern können. Und werden. Als ich mit der Yogaausbildung begonnen habe, warnte mich meine Lehrerin, dass sich unser Leben oder unsere Sichtweise vielleicht verändern wird. Ich dachte „Na, das glaube ich jetzt nicht, was soll sich ändern?“ Tja. Ich sehe viele Dinge anders als vor zwei Jahren. Nach dem Halbmarathon habe ich nochmal einen ziemlichen Sprung gemacht. Die Sichtweisen ändern sich ein wenig, man beginnt mehr nachzudenken, wie Dinge aus einer anderen Perspektive wohl aussehen. Darauf sollte man vorbereitet sein.

I see the light (Rapunzel): … und die Schatten ziehen vorüber. Anfangs fühlt man sich bei diesem Umbruch in einem verloren. Der Körper schmerzt vom Laufen und vom Yoga und man erreicht nicht, was man sich vorgestellt hat (hier sind wir wieder bei Erwartungen). Aber man gibt nicht auf. Man macht weiter und plötzlich… plötzlich klappt das, was man schon nicht mehr erwartet hat. Und es ist auf einmal so leicht. Man läuft auf einmal 15km. Man kommt auf einmal in die Krähe und kann sie halten. Dann fragt man sich: warum habe ich je daran gezweifelt? Es mag Tage geben, an denen es dann nicht mehr klappt oder nicht mehr so gut. Aber man weiß, es hat bereits geklappt. Man hat hinter den Schatten gesehen. Weil man weiter gemacht hat.

Last but not least: A dream is a wish your heart makes (Cinderella): Was Du träumen kannst, kannst Du auch wahr machen. Solange Du nicht aufgibst und an Dich glaubst, kannst Du fast alles erreichen. Sei es beim Yoga oder beim Laufen, bei jedem anderen Sport oder in Deinem Leben. Halte an Deinen Träumen und Zielen fest und versuche sie zu erreichen. Mit Ausdauer und ein wenig Köpfchen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Gib nicht auf, wenn etwas nicht beim ersten Mal klappt. Das Geheimnis von erfolgreichen Menschen ist nicht, dass ihre Ideen gleich beim ersten Versuch richtig aufgegangen sind. Sondern dass sie vielleicht dreimal gescheitert sind, gelernt haben und beim vierten Mal ans Ziel kamen. Lass Dir von Misserfolgen nicht Deine Träume nehmen.

So, das war jetzt ein ziemlich langer Text 😉 Vielleicht ist ja die eine oder andere Idee dabei, die Dich beflügelt weiterzumachen, wenn Du denkst es geht nichts mehr. Ich würde es Dir wünschen.

Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende!

Namaste