Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das kann manchmal gut sein, weil es einem Sicherheit gibt, manchmal aber auch weniger gut, weil es einen einengt oder vielleicht „schlechte“ Angewohnheiten sind, die wir so lieb gewonnen haben.

Wie Gewohnheiten entstehen

Ich habe mal gelesen, dass es 21 Tage dauert, bis etwas zur Gewohnheit wird. Also, bis etwas, das wir machen, in unser Verhalten übergeht. 21 Tage sollte man also konsequent sein, wenn man sich eine neue Gewohnheit zulegen will (oder eine andere nicht mehr haben will, dann sollte man sie 21 Tage unterlassen).

Nun ist es aber so, dass man sich gerne Dinge vornimmt und dann irgendwann einfach nicht mehr dazu kommt. Passiert mir ständig. Ein Beispiel? Ich nehme mir vor, täglich staubzusaugen nach dem Abendessen. Die ersten 3 Tage bin ich voll motiviert, die Kinder sind eh gut drauf und beschäftigen sich, das heißt, ich habe Zeit dafür. Am 4. Tag war der Tag recht anstrengend. Im Büro war viel los, das kochen hat länger gedauert, die Kinder waren angespannt weil bereits müde, etc. Ich habe jetzt keinen Nerv dafür den Staubsauger rauszuholen, anzustecken, die Kinder davon wegzuscheuchen (der Staubsauger hat wirklich eine magische Anziehungskraft auf meine Kinder!) damit ich ihnen nicht vielleicht über die Finger fahre, usw. An Tag 5 war der Tag nicht so schlimm, aber… so schmutzig sieht es jetzt unter dem Tisch gar nicht aus. Und morgen ist ja eh Großputz angesagt, dann brauche ich nicht saugen. Tag 6 lasse ich abends aus, weil ich habe ja am Nachmittag schon alles blitzeblank geputzt. An Tag 7 ist es eigentlich eh noch sauber und an Tag 8 habe ich vergessen, was ich mir vorgenommen habe.

Kommt Euch bekannt vor? 😉

Was tun um Durchzuhalten?

Als das neue Jahr begonnen hat, habe ich mir ja einiges vorgenommen. Unter anderem, mehr für meine Gesundheit zu machen. Nur hat mir damals schon die Zeitfrage etwas Kopfzerbrechen bereitet. Immerhin, Vollzeitmama, Teilzeitcontroller, Teilzeit Yoga- und Kinderyogalehrerin, nebenbei Haushalt, Administration usw. stemmen… Eine Geschichte für meine kleine Tochter wollte ich auch schreiben (hier mal ein kleiner Aufruf in eigener Sache: ich bräuchte wen, der gut zeichnen kann, da die Geschichte ja bebildert sein soll. Wer wen kennt, bitte melden!!! Danke!) Also eigentlich sollte ich ja einen 48 Stunden Tag haben. Oder mich clonen. So zwei, dreimal. Aber das ist eine andere Geschichte 😉

Jedenfalls wollte ich wieder mehr für mich tun, und zwar täglich. Klar, dass eigentlich nur der frühe Morgen, bevor die Kinder wach sind, dafür geeignet war. Die Frage war nur: wie behalte ich meine Motivation bei um 5 Uhr aufzustehen und dann in meine Sportkleidung zu schlüpfen und Yoga zu machen oder Laufen zu gehen? (Im Keller, am Laufband, keine Sorge, die Kinder sind nicht allein!! ;))

Für mich war ganz klar: ich brauche einen fixen Ablauf, der jeden Tag klappt. Eine Art Ritual eben.

Mein Morgenritual

Ganz kurz zum Thema Ritual: Als ich ganz frisch Mama war, hat mein Sohn sehr schlecht in den Schlaf gefunden. In zahlreichen Ratgebern habe ich dann gelesen, dass man ein „Zu-Bett-Geh-Ritual“ einführen sollte. Ein Ablauf, der kaum verändert jeden Abend um die gleiche Zeit stattfindet. Weil der kleine Knopf dann weiß, jetzt kommt das, dann das, dann ist es Schlafenszeit. Natürlich hat es nicht auf Anhieb geklappt, aber es hat nicht nur meinen Knopf beruhigt sondern auch mich. Es wurde eine Gewohnheit für uns beide. Weil es mich beruhigt hat, hat dann auch das Einschlafen für den Kleinen besser geklappt. Mama war entstresst. Das alleine hat schon viel Kraft gegeben.

Nun, es musste also eine Art Ritual für den Morgen für mich her. Bisher sah mein Morgen so aus: Aufwachen, Jausen packen, Geschirr wegräumen, Kinder aufwecken, Frühstück, Anziehen, Haus verlassen.

Irgendwo zwischen Aufwachen und Jause packen war also mein Ritual angesiedelt. Momentan sieht mein Ablauf so aus (und ich halte ihn – zumindest unter der Woche – denn am Wochenende stehe ich nur ungern um 5 auf ;)):

Die Welt erwacht

Die Welt erwacht

5 Uhr aufwachen

Sportkleidung (am Vorabend rausgelegt) anziehen, runtergehen und entweder Yoga machen oder laufen.

Zum Abschluss eine kurze Meditation, wo ich um Weisheit, Kraft, Geduld, Mitgefühl und Schutz für meine Lieben und mich bitte und ihnen positive Energie schicke.

Danach eine Atemübung (Kapalabhati, falls euch das etwas sagt ;))

Heiße Zitrone mit Ingwer aufsetzen, inzwischen meine Nase spülen und duschen. Eincremen.

Jetzt werden die Kinder geweckt, damit der Tag mit ihnen gemeinsam starten kann.

Es funktioniert meist recht gut, gibt Kraft für die Herausforderungen des Tages (etwa die Kinder dazu zu bringen, beim Frühstück nicht zu trödeln oder ihre eigene Kleidung anziehen und nicht zu tauschen!) und mir ein gutes Gefühl. Ich habe etwas für mich getan. Mein Körper fühlt sich gut, meine Seele fühlt sich gut. Ich kann diesen Ablauf quasi problemlos beibehalten (außer wenn ich, so wie letzte Woche, auf Geschäftsreise bin und das Zimmer so winzig ist, dass man nicht mal den Baum machen kann ohne sich ernsthaft zu verletzen ;))

Momentan überlege ich ein Abendritual, denn unser derzeitiger Ablauf abends gefällt mir nicht besonders gut. Wenn es soweit ist, lasse ich es Euch wissen 😉

Habt Ihr Rituale? Wenn ja, welche? Und klappen sie gut?

Ich wünsche Euch eine wunderschöne Woche!

Namaste