In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass meine Kinder sehr unrund sind. Vermutlich liegt es an mir, denn ich habe derzeit wieder eine Phase, in der ich unglaublich aufgekratzt und launisch bin. Ja, launisch. Leicht genervt. Du kennst das bestimmt.

Jedenfalls scheint es auf meine Kinder abzufärben. Denn obwohl sie abends müde sind, drehen sie vollkommen auf, reißen beim Essen den Kasperl runter und triezen sich gegenseitig so lange, bis einer weint. In einem Maß, das nicht mehr alltäglich ist.

Was der Atem alles kann

Als es kurz vor dem Schlafengehen war und mein Großer wie ein Duracell Hase durch das Zimmer gelaufen ist, habe ich ihn mir geschnappt und mich mit ihm hingesetzt. Ich habe ihn gebeten, seine Hände auf meinen Bauch zu legen und zu spüren, wie ich tief einatme. Dann habe ich das selbe bei ihm gemacht, und schließlich hat jeder seinen Bauch gehalten.
Danach haben wir versucht am Rücken zu spüren, wie der Atem fließt. Er fand es super interessant und war danach ganz konzentriert und ruhig. Den Atem zu spüren fand er echt toll. (seine Worte, nicht meine)

Also habe ich beschlossen, öfter bewusst mit den Kindern zu atmen. Beim Essen gibt es jetzt eine Zimbel. Jeder darf sie einmal anschlagen. Wir alle schließen unsere Augen und atmen dreimal tief ein und aus. Seitdem sind die Essen friedlicher und die Kinder viel entspannter. Genauso wie ich. Es ist quasi eine kleine Auszeit vom Alltag.

Früher habe ich ja immer wieder gehört „wenn du wütend bist, zähle bis 10 während du atmest“. Beim Yoga hört man immer „Verbinde den Atem mit deinen Bewegungen, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.“
Auch der Ausspruch „tief durchatmen“ zeigt doch eindeutig, wie wichtig es ist, achtsam zu atmen um sich wieder zu beruhigen oder neu zu konzentrieren.

Der Atem ist so wichtig für unser Leben. Ohne Atem kein Leben. Und doch sehen wir alle das Atmen als etwas Selbstverständliches und beachten es nicht weiter. Aber gerade in letzter Zeit ist mir wieder aufgefallen, wie schnell sich die Stimmung ändern kann, wenn man nur bewusst und tief atmet.

Achtsamkeit mit Kindern

Momentan lese ich dazu auch ein ganz tolles Buch. Es heißt „Achtsamkeit mit Kindern“ von Thich Nhat Hanh. Darin sind ein paar wirklich gute Übungen zum Thema achtsam sein im Alltag. Schadet auch den Großen nicht. Ich spreche aus Erfahrung.
Er zeigt darin auf, dass es manchmal reicht, einfach achtsam zu gehen. Wirklich zu spüren, wann der Fuß den Boden berührt, wo er ihn berührt, wie er abrollt und wie wir ihn dann wieder anheben. Kinder sind von Natur aus achtsamer als Erwachsene. Leider ist durch den Leistungsdruck und die Reizüberflutung diese Achtsamkeit sehr schnell weg. Natürlich ist es auch schwierig, ganz achtsam die Natur zu beobachten, wenn Mama genervt sagt, wir müssen uns beeilen um den Bus zu erwischen. (Ja, schuldig im Sinne der Anklage, ich mache das auch)

Vielleicht sind die Atemübungen genau deswegen so wichtig. Wenn meine Kinder mal wieder vollkommen überdreht sind, dann setze ich mich hin und atme mit ihnen. Es ist kaum zu glauben, wie schnell sie dann wieder konzentriert sind und wie ausgeglichen sie dann wirken.

Atmen im Kinderyoga

Beim Kinderyoga haben wir einige wunderbare Atemübungen, um ruhig zu werden, zu uns zu finden, Kraft zu tanken oder Mut zu erlangen. Hier zeige ich Dir meine liebsten Übungen aus dem Unterricht. Die meisten kann man ganz einfach zusammen daheim nachmachen.

Der Atemball
Ein tolles Ding, dieser Ball. Die Kinder sind ganz fasziniert davon. Man nimmt ihn bei an zwei Seiten und mit dem Einatmen öffnet man ihn, lässt ihn ganz groß werden. Beim Ausatmen macht man ihn wieder klein. Die Kinder sind so konzentriert dabei und achten genau auf ihren Atem. Ich finde diese Übung einfach wunderbar, denn sie macht den Atem bewusst und beruhigt.

Atemball

Atemball

Sonnenatmung
Dazu liegen die Kinder auf dem Rücken, die Hände liegen auf dem Bauch. Die Kinder stellen sich jetzt vor, die Sonne scheint warm auf ihren Bauch. Sie können auch ihre Hände reiben bis sie warm sind und dann auf den Bauch legen. Wenn sie die Sonne spüren, können sie anfangen, ganz tief in den Bauch zu atmen, dort, wo sie die Hände haben. So tief einatmen, dass die Hände hoch gehen. Beim Ausatmen senken sich die Hände wieder mit dem Bauch ab. Atme die Wärme der Sonne ein, atme aus und verteile sie in Deinem Körper.

Holzhacker Atem
Eine wunderbare Übung, besonders wenn man grantig ist, wie es so schön heißt. Die Kinder stellen sich in einem breiten Stand hin, beugen die Knie leicht. Vor uns ist eine unsichtbare Axt, die heben wir auf. Einatmend stehen wir auf, die Axt hoch über dem Kopf. Wenn wir ausatmen rufen wir laut „HAAAAA“ und lassen die Axt nach unten sausen. Das machen wir einige Male. Oft lachen wir zum Schluss, weil wir alle negativen Gedanken und Gefühle einfach weggeatmet haben. „HA!“

Löwenatem
Beim Löwenatem sammeln wir all unseren Mut und werden tapfere kleine Löwen. Dazu sitzen die Kinder auf ihren Fersen, die Hände sind vor ihrem Körper wie kleine Pfoten fest in den Boden gedrückt. Einatmen durch die Nase. Der Blickt geht zwischen die Augen (optional, muss nicht sein bei Kindern!), die Zunge wird rausgestreckt und die Kinder dürfen laut durch den Mund ausatmen. 3-5 Mal wiederholen. Das schenkt Energie und Mut.

Löwenatem

Löwenatem

Muschelatmung
Eine schöne Atmung um wieder zur Ruhe zu kommen. Mit ausgestreckten Beinen sitzen wir da, stellen uns vor wir sind eine wunderschöne Muschel am Meeresgrund. Vielleicht haben wir eine glänzende Perle in unserem Schoß. Einatmend nehmen wir die Arme hoch und öffnen uns, ausatmend senken wir den Oberkörper auf die Oberschenkel nach unten und schließen die Muschel wieder. Wir fließen mit dem Atem.

Wenn jetzt langsam die Vorweihnachtszeit beginnt, lege ich einen besonderen Augenmerk auf das Atmen mit den Kindern. Auch im Familienyoga (Am 12.11. findet übrigens die nächste Familienyoga Stunde statt!!) wird es sehr viel um Achtsamkeit gehen. Natürlich in eine schöne Geschichte verpackt. Vielleicht schaust Du ja mal vorbei. 🙂

Hast Du übrigens schon einmal von einer „Mind Jar“ gehört? Nein? Ich bin gerade ziemlich fasziniert davon. Nächste Woche im Blog stelle ich sie Dir vor und wie man sie ganz einfach selbst machen kann.

Was machst Du, wenn Du eine Pause vom Alltag brauchst? Ich freue mich, von Dir zu hören.

Saprema,
Bettina