Eigentlich, ja eigentlich wollte ich diese Woche ja einen Beitrag zum Thema Sonnenyoga für Kinder bringen. Bisschen Sonne ins Herz lassen, wenn der Herbst sich unfreundlich präsentiert.

Aber aus aktuellem Anlass habe ich mich jetzt für diesen Beitrag entschieden.
Ihr kennt mich ja mittlerweile. Ich bin ehrlich. Ich verstelle mich nicht. Ich sage niemandem, dass ihr ein Kleid steht wenn ich finde, dass sie darin furchtbar aussieht (ich sage dann eben, dass es mir nicht gefällt). Ich nenne niemanden meinen besten Freund, wenn ich ihn nicht mag und ich verspreche nichts, was ich nicht zu halten gedenke. Denn was habe ich davon, wenn ich jemandem etwas vorspiele?

Und genau deswegen möchte ich hier mal ein paar ehrliche Worte loswerden.

Geständnis einer (Kinder-)Yogalehrerin

Es nagt was an mir. So ein kleines, fieses, grünliches Etwas. Manchmal nagt es stärker, manchmal weniger stark. Jeder von uns hat so ein riesiges winziges Monster, das einfach mal an einem nagt: Der Zweifel. Ich habe mal versucht, meinen zu zeichnen:

Das Zweifelmonster

Das Zweifelmonster

Momentan nagt er wieder sehr an mir. Warum? Weil ich mich manchmal frage, warum die Dinge nicht so laufen, wie ich es eigentlich erwarte. Ja, erwarte.
Dazu eine Geschichte: mein Kinderyoga Kurs letztes Jahr ist nicht besonders stark angelaufen. War ich zu spät dran mit Werbung, dass die meisten Kinder schon Kurse hatten? Können die Leute mit Kinderyoga nichts anfangen? Was auch immer der Grund war… ich hatte ganze zwei Anmeldungen. Zwei. Man will ja nicht undankbar sein, aus zwei wurden vier. Immer wieder schnupperte jemand. Am Ende waren es 6 Kinder. Von denen eigentlich dieses Jahr 5 wieder kommen wollten. Eigentlich.
Über den Sommer kamen jede Menge Anmeldungen zur Schnupperstunde. Am Ende waren es zehn Kinder, die zum Schnuppern kommen wollten. Ich war mir sicher, ich habe es geschafft. Meine Newsletter, Aktionen, Flyer und Co haben sich letztlich ausgezahlt.
Und ein zweiter Kurs würde auch starten. Einer, wo ich viel Unterstützung von einem großartigen Team bekam. Es waren zwar kaum Anmeldungen, aber viele Interessenten. Es war ein wunderbares Gefühl.

Zum Schnuppern kamen von 10 Anmeldungen… 7. Von den 7 war schon während der Stunde klar, dass einer nicht wiederkäme. Na gut, wieder 6 Kinder, davon 3 Neue (was war aus den 5 vom letzten Jahr geworden?). Das war doch eine super Bilanz. Aber aus mir teilweise schleierhaften Gründen sind aus 6 Kindern wieder 4 geworden. Und irgendwie sind immer nur 2 da (immer unterschiedliche, es wird halt mal wer krank, das ist schon klar). Ich bin wirklich sehr dankbar für die wunderbaren Kinder. Sie sind so lieb und aufgeweckt. Aber da ist wieder das riesige kleine Zweifelsmonster…
Beim anderen Kurs kamen von vielen Interessenten…. 2 Kinder. 2. 2 wunderbare Mädels. Ich bin sehr froh, dass ich sie habe. Aber was wurde aus all den anderen Interessenten?
Vom Erwachsenenkurs will ich gleich gar nicht reden. 5 Anmeldungen. 2 sind gekommen (irgendwie ist zwei wohl meine magische Zahl). Eine meinte dann, es ginge sich nicht mehr aus, dafür waren 2 neue da. Die dann die Woche darauf auch nicht kamen, dafür eine neue. Irgendwie lief es nicht rund. Die eine verbliebene konnte dann auch nicht mehr, die neuen hatten sich nicht mehr gemeldet.

Das Zweifelmonster

Verständlich, dass der Zweifel nagt:

  • Liegt es an mir?
  • An meiner Werbung?
  • An meinem Auftritt?
  • Bin ich nicht gut?
  • Wissen die Leute einfach nicht, was Kinderyoga ist? Kinderturnen ist schließlich immer gut besucht…

Ich habe immer das Feedback bekommen, dass es den Kindern/Erwachsenen gut gefallen hat. Yoga ist doch etwas wunderbares. In wunderschöne Geschichten verpackt, mit lustigen Spielen und Atemübungen, Achtsamkeit und kreativen Entspannungen ist Kinderyoga wirklich etwas Besonderes. Etwas, das teilweise schon Schulen und Kindergärten in Workshops anbieten. Manche Lehrerinnen verwenden Yogaelemente in ihrem Turnunterricht.
Trotzdem sind viele Eltern immer wieder erstaunt, dass es sowas wie Kinderyoga gibt. Immer wieder sind sie interessiert, und doch… es schaut kaum jemand vorbei.

Zweifel, Zweifel, nag, nag….

Als ich mich auf den (Kinder-)Yogaweg gemacht habe, da war ich mir sicher, das ist es, was ich machen möchte. Es bereichert mich. Es macht mich zufriedener. Es macht mich glücklich. Es lässt mich Seiten an mir erkennen, die ich lange für verloren glaubte. Es lässt mich besser auf meine eigenen Kinder eingehen. Mich besser mit mir umgehen.

Warum funktioniert es dann nicht, wie ich es mir wünsche????

Und geht es nur mir so?
Weil mir hat kürzlich Facebook vorgeschlafen, dass ich an einer Kinderyogastunde in Hietzing teilnehmen kann. Erste Stunde der Lehrerin in einem Studio. 37 Interessenten. Meine beste Veranstaltung hatte 7 Interessenten.

Zweifel, Zweifel, nag, nag.

Fieses riesiges kleines, grünes Monster.

Jetzt denkst Du vielleicht: Das passt doch gar nicht. Yogalehrerin und hat solche Zweifel. Ja, auch Yogalehrer haben Zweifel. Mal größere… mal kleinere… aber wir sind auch Menschen. Beweglichere vielleicht. Aber Menschen. Mit Zweifeln.
Besonders, wenn eine Kinderyoga Stunde mal nicht so klappt, wie man es wollte. Weil die Kinder heute unruhig sind. Weil sie lieber laufen wollen statt den Hund zu machen, oder die Klangschale nicht in Ruhe lassen.

Zweifel, Zweifel, nag, nag.

Oder wenn du dir Pläne machst für einen wunderbaren Kurs… und es kommt keiner.

Zweifel, Zweifel, nag, nag.

 

Auch ein Yogi ist ein Mensch. Vielleicht beweglicher. Aber mit den selben Zweifeln

Und was mache ich jetzt mit dem Zweifelmonster? Manchmal flüstert es mir zu: „natürlich liegt es an dir. Andere schaffen es doch scheinbar viel besser.“ Manchmal höre ich es unter schmatzen sagen: „Also ehrlich, du kannst das doch gar nicht. Lass es doch lieber gleich sein.“

Aber und zu stelle ich mich dann auf den Kopf. Ja, auf den Kopf. Weil das Zweifelmonster dann nämlich einfach runterfällt (und es dauert dann immer etwas, bis es wieder auf meiner Schulter sitzt). Und manchmal, jaha, da lege ich mich in die Badewanne und tauche einfach unter. Bis das Zweifelmonster luftringend am Rand der Wanne festklammert und mich eine Weile nicht anschaut. Ab und zu gebe ich ihm Schokolade. Weil dann ist es ruhig, Schokolade mag es lieber als mich. Manchmal lache ich auch einfach ganz laut über meine kindliche Art (ich füttere ein imaginäres Monster mit Schokolade!!!) und dann höre ich das Zweifelmonster nicht mehr.

Und dann? Dann plane ich einfach meine nächste Yogastunde. Meinen nächsten Familienyoga Brunch. Oder ich bastle mit meinen Kindern etwas und überlege, ob man es auch mit den Miniyogis machen könnte. Oder ich lese meinen Kindern ein tolles Buch vor und wir üben Yoga dazu.

Dann schläft das winzige riesige kleine Zweifelmonster in einer Ecke. Und meldet sich erst wieder, wenn es aufwacht.

Nur nicht wecken

Nur nicht wecken

Hast Du auch ein Zweifelmonster? Was machst Du, damit es still ist?

Lass mich doch wissen, wie es Dir damit geht.

Bis zum nächsten Mal.

Saprema,

Bettina (und das Zweifelmonster)